Zwischenbericht zur Thüringer Einzelmeisterschaft 2026
Mit Hochspannung beginnt wieder die Thüringer Landeseinzelmeisterschaft in Naumburg. Wer wird dieses Jahr die Thüringer Schachjugend zur Deutschen Einzelmeisterschaft (DEM) vom 23.05.2026 – 31.05.2026 in Willingen vertreten? Leider konnte Thüringen im letzten Jahr keine Medaille erringen und so hoffen wir, dass es dieses Jahr besser ausfallen wird.
In den jüngeren Altersklassen U10, U10w und U12 qualifizieren sich jeweils die ersten zwei Plätze für die DEM 2026. In den Altersklassen U12w, U14, U14w, U16, U16w, U18, U18w qualifiziert sich jeweils der Thüringer Meister bzw. die Thüringer Meisterin.
Alle Ergebnisse finden sich unter: https://s2.chess-results.com/tnr1389539.aspx
Folgend die ersten Eindrücke nach den ersten 4 Runden:
U10: Im Vorhinein gibt es natürlich immer Gespräche über die Favoriten und wer das Rennen machen könnte. In der U10 ist Anton Preuße (SC Turm Erfurt) zahlenmäßig mit 1269 DWZ (Steigerung von 386 DWZ-Punkten im Vergleich zum letzten Jahr) der klare Favorit. Auch letztes Jahr nahm er bereits teil und erreichte mit 5,5/9 Runden den 6. Platz. Aber wie wir wissen, kann besonders in der U10 so manche Überraschung warten. Auch mit dem zweiten Versuch sind die Brüder und Kaderspieler Fynn Philipp und Gustav Philipp (SSV Vimaria Weimar) dabei. Erst letztes Jahr sind die beiden noch ohne Wertzahl angetreten und belegten Platz 5 und 6.
Nach den ersten beiden Runden sind der Favorit Anton Preuße und Jannik Schuhmann (SG Blau-Weiß Stadtilm) und Jonas Lux (Erfurter SK) mit zwei Punkten vorne, dicht gefolgt von 6 Spielern mit 1,5 Punkten, die Hälfte davon von Vimaria Weimar. Eine böse Überraschung erlebte Simeon Dimitrov von den Schachfreunden Greiz. Als an 3 gesetzter Spieler und Teil des Landeskader 2 kassierte er eine Doppelnull am ersten Spieltag. Damit dürfte er noch höchstens den zweiten Platz erringen, wenn keine außergewöhnlichen Patzer entstehen. In Runde 3 gab Anton einen halben Punkt gegen Jannik Schuhmann ab, weswegen sich Jonas Lux mit 3 von 3 Punkten an die Spitze absetzte. Doch auch hier wurde in der 4. Runde ein halber Punkt abgegeben. Nach 4 Runden wird die Tabelle von Jonas Lux, Fynn Philipp und Anton Preuße mit je 3,5 Punkten angeführt, dahinter William Manuel Hockl (SV Empor Erfurt) und zur Überraschung der an 11 gesetzte Mattis Holdschick (SV Schott Jena) mit jeweils 3 Punkten.
U10w: Bei den Mädchen dürfte das Feld etwas ausgeglichener sein. Die Kaderspielerinnen Aria Kraft (2. Platz 2025) von VfL 1990 Gera und Elisabeth Greta Eßers von SG Blau-Weiß Stadtilm (5. Platz 2025) dürften um die ersten beiden Plätze konkurrieren. Bereits in der dritten Runde kämpften die beiden mit jeweils 2 Punkten gegeneinander, wo sich Aria durchsetzen konnte und sich alleine an die Spitze absetzt. Nachdem Aria in der 4. Runde gegen ihre direkte Verfolgerin Marie Felker (SC Turm Erfurt) gewann, ist sie mit 4 von Punkten alleine an der Spitze, gefolgt von Elisabeth, gegen die sie aber schon gewonnen hat. Hier ist schon eine eindeutige Tendenz da, wer die Meisterschaft gewinnen wird, spannend könnte es aber noch um den zweiten Qualifikationsplatz werden.
U12: In der U12 gibt es in der Startrangliste bereits deutliche Tendenzen für die ersten Treppchen. Der Ukrainer und Titel-Verteidiger Dmytro Boroshnev von SC Turm Erfurt mit 1910 DWZ (DWZ-Rang: 14 in Deutschland) und Jonathan Franz Meißner mit 1877 DWZ (DWZ-Rang: 15, Platz 14 bei der DEM 2025 U12) dürften klar die ersten beiden Plätze beanspruchen wollen. Aber der an 3 gesetzte Jakob Hübner von der SG Blau-Weiß Stadtilm mit 1639 DWZ (DWZ-Rang: 89, Platz 44 bei der DEM 2025 in der U10) könnte vielleicht für eine Überraschung sorgen. Doch hier zeichnet sich bereits eine mögliche Verzerrung ab: der Favorit Boroshnev ist zur dritten Runde nicht angetreten und gab kampflos einen Punkt ab. In der 4. Runde durfte Jakob daher erneut sich auf die weiße Seite setzen und gegen Jonathan Meitzner um die Tabellenspitze spielen und… gewann! Damit führt Jakob Hübner das Teilnehmerfeld mit 4 von 4 Punkten an und hat bereits gegen beide Favoriten gespielt. Ob ihn sein Team-Kollege Raphael Zentgraf da in der 5. Runde mit in die Karten spielt?
U12w: Auch hier ist das Feld bei den Mädchen ausgeglichener. Die zwei Kaderspielerinnen Amalia Sniegowski (1. Platz bei der ThEM 2025 U10w) vom Meuselwitzer SV und Mathilda Eßers (2. Platz bei der ThEM 2025 U12w) von der SG Blau-Weiß Stadtilm dürften gute Chancen haben. Die an 1 gesetzte Amelia Bernadette Buntin (ZSG Grün-Weiß Waltershausen) dürfte bei ihrem zweiten Antreten in der U12w auch den Meistertitel im Auge haben, wobei sie jedoch bereits in der 2. Runde gegen Mathildas Vereinskollegin Lia Sofie Möller verloren hat. In Runde 3 ging es direkt an die Spitzenpaarung Sniegowski gegen Eßers, wobei die ältere Eßers-Schwester mehr Glück als ihre Schwester hat und sich gegen die direkte Konkurrentin durchsetzte und den Siegeszug gegen die bereits erwähnte Lia Sofie fortsetzen konnte. Damit ist Mathilda mit voller Punktzahl nach der vierten Runde alleine an der Spitze, gefolgt von einem 4-köpfigen Verfolgerfeld mit jeweils 3 Punkten. Auch die an 1 gesetzte Amelia Buntin spielte sich zurück zum Spitzenbrett, sodass in der 5. Runde wahrscheinlich bereits die Entscheidung um die Meisterschaft fällt, falls Mathilda gegen ihre Kontrahentin gewinnt.
U14: In der U14 gibt es mit dem ältesten Kaderspieler Mattheo Junge (5. Platz ThEM 2025 U14) von SV Schott Jena mit einem Abstand von 370 DWZ-Punkten zum Startranglistenzweiten Paul Hübner (SG Blau-Weiß Stadtilm) einen eindeutigen Favoriten für den Titel und Qualifikationsplatz. Schon letztes Jahr war Mattheo auf Platz 1 gesetzt gewesen, konnte sich jedoch in einem etwas ausgeglicheren Teilnehmerfeld nicht durchsetzen. Die Kontrahenten aus dem letzten Jahr sind allerdings alle in die U16 aufgerückt, weshalb hier eigentlich nur durch einen Patzer Überraschungen entstehen könnten. Nach 4 gespielten Runden sieht es allerdings danach aus, dass der klare Favorit seiner Rolle gerecht wird: Matteo hat in der dritten Runde gegen Paul gewonnen, sodass dem Titelsieg nichts mehr im Weg stehen sollte.
U14w: Bei den Mädchen dürfte die große Schwester von Amalia, Victoria Sniegowski, vom Meuselwitzer SV gute Karten haben. Die letztjährige U12w-Siegerin konnte bereits bei der DEM 2025 wichtige Erfahrungen sammeln. Jedoch sind auch die Spielerinnen Marlene Schiller von VfL 1990 Gera und Sidney Albrecht von SV Empor Erfurt einige Chancen haben. Letztere verteidigt dieses Jahr den Titel und übertraf bei der DEM 2025 U14w als Außenseiterin ihre Erwartungen (Platz 18 mit Startranglistenplatz 25 von 28).
Bereits in der 1. Runde geschah jedoch die erste Überraschung. Die an 1 gesetzte Marlene Schiller verlor mit Schwarz gegen die fast 500 DWZ-Punkte schwächere Louise Seehars (SV Schott Jena) und muss jetzt schon bereits um die Qualifikation kämpfen. Nach zu erwartetenden Ergebnissen in der zweiten Runde fiel in der dritten Runde in der Spitzenpaarung Victoria Sniegowski gegen Sidney Albrecht bereits die mögliche Vorentscheidung um die Meisterschaft: Sidney setzt sich mit einem Schwarzsieg alleine an die Spitze und führt mit einem Punkt Abstand die Tabelle mit 3 von 3 Punkten an. Doch so schnell eine schnelle Klärung des Titels hätte möglich sein können, so schnell kommt die nächste Überraschung: Sidney verliert in der 4. Runde mit den weißen Steinen gegen die an 4 gesetzte Anna Wäldchen (Ilmenauer SV). Doch da das Verfolgerfeld sich bloß mit Remisen verabschiedete, sind nun Sidney und Anna mit 3 Punkten in Führung, gefolgt von 6 Spielerinnen mit 2,5 Punkten. Hier scheint noch alles möglich zu sein!
U16: Die U16 dürfte vom Teilnehmerfeld am spannendsten sein. Die ersten 6 der Startrangliste unterscheiden sich nur um knappe 200 DWZ. Bereits letztes Jahr wurde brisant in dieser Altersklasse diskutiert, nachdem der Startranglistenerste Nico Aniol (VfL 1990 Gera) nach einer Niederlage gegen den Zweitgesetzten Richard Sniegowski (Meuselwitzer SV) das Turnier abbrach und dadurch das gesamte Turnier verzerrte. Überraschenderweise gewann 2025 nämlich Leonas Bock (SSV Vimaria Weimar), der dieses Jahr mit Startranglistenplatz 8 antritt.
Einen Patzer erlaubte sich bislang jedoch nur Kevin Tran (Erfurter SK), der in der ersten Runde mit den schwarzen Steinen gegen den 243 DWZ-Punkten schwächeren Kimi Katzmann (SK Theaterstadt Meiningen) verlor. Der Titelverteidiger Leonas Bock setzte sich in der 2. Runde prompt gegen den Treppchenverfolger Erdem Han (SSV Vimaria Weimar) durch, verlor jedoch gegen Richard Sniegowski in der dritten Runde. In der vierten Runde setzten sich die beiden Erstgesetzten mit einem Punkt Abstand vom Verfolgerfeld ab, sodass mit einem morgigen Sieg bereits ein möglicher Sieger festgestellt werden könnte.
U16w: Da leider dieses Jahr nur eine Teilnehmerin, Gabriela Ignatova (Meuselwitzer SV) gemeldet wurde, findet dieses Jahr ein Kampf in der U16w nicht statt. Die bereits Qualifizierte Gabriela spielt daher in der Altersklasse U18 mit und dürfte damit wenigstens etwas Spielerfahrung für die DEM 2026 mitnehmen können.
U18: In der U18 dürfte der Qualifikationsplatz zwischen Markus Kaiser (SG Arnstadt-Stadtilm) und Linus Apel (Erfurter SK, 6. Platz ThEM 2025 U18) ausgespielt werden, da auch die restlichen Treppchenplätze von der ThEM 2025 U18 nun aus den Jugendaltersklassen herausgefallen sind. Doch bereits in der ersten Runde gab der Favorit Markus Kaiser einen halben Punkt gegen den 342 DWZ-Punkte schwächeren Otto Richard Beberhold (SSV Vimaria Weimar). Damit nicht genug: Bereits nach der zweiten Runde lag Linus Apel mit 2 Punkten alleine an der Spitze und begegnete Markus am Spitzenbrett in der dritten Runde. Nach einer langen Partie erreichten die beiden ein Bauernendspiel, welches Markus in Zeitnot einstellte. In Runde 4 traf Linus nunmehr auf den an 3 gesetzten Armin Recknagel (SC Rochade Steinbach-Hallenberg) und sie verabschiedeten sich mit einem Unentschieden, ebenso wie Markus, der mit 2 von 4 Punkten noch schwer Chancen auf den 1. Platz haben dürfte. Vielleicht bringt Arthur Lotz (SV Wartburgstadt Eisenach) etwas Stimmung in die Runde, denn mit einem morgigen Sieg gegen Linus würde wieder alles offen sein.
U18w: Mit 8 Teilnehmerinnen gibt es dieses Jahr die perfekte Anzahl für ein 7-Rundenturnier, wo jede Spielerin gegen die anderen einmal antritt. Tilda Loos (VfL 1990 Gera) dürfte als DWZ-stärkste und letztjährige Zweitplatzierte die besten Chancen haben, wobei Sophia Scheiding (Meuselwitzer SV, 4. Platz ThEM 2025 U18w) und Mathilda Eichhorn (SV Schott Jena, 3. Platz ThEM 2025 U18w) durchaus mithalten könnten. Nach 4 gespielten Runden liegt Tilda mit 3,5/4 Punkten vorne und gab dabei ein remis gegen Mathilda ab. Mathilda und Sophia trennten sich aber ebenfalls mit einem Unentschieden, weshalb das Match Tilda Loos gegen Sophia Scheiding in der 6. Runde die Entscheidung für die Meisterschaft bringen könnte.
eingereicht von Huy Dat Nguyen, Pressereferent der ThSJ
Impressionen zum Turnier (von Hannes Pinnau, Jugendsprecher der ThSJ):


